Deutsch-Französisches Austauschprojekt 2014 / 2015 mit Saint Brieuc  

Wie jedes Jahr im Mai starteten auch dieses Jahr 33 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 und 8 des Pius-Gymnasiums zum Gegenbesuch ihrer «Corres» (Austauschpartner) nach Saint Brieuc in der Bretagne. Pünktlich um 8:00 Uhr ging es bestens gelaunt mit dem Bus Richtung Frankreich! Einer unserer beiden erfahrenen Busfahrer, Herr Rotheut, war ein weit gereister Busweltenbummler und kannte nicht nur alle Geheimtipps an Rastplätzen, sondern auch viele spannende und interessante Geschichten.

 

So gab es während der Fahrt immer wieder Informationen über das Mikrofon zu hören, die die 11 Stunden Busfahrt verkürzten. Ein atemberaubender Höhepunkt der Fahrt war der Halt auf einem Rastplatz mit Blick auf die «Pont de Normandie», die Brücke über die Seinemündung mit 200 Meter hohen Pylonen, an deren Neigung man - mit ein paar mathematischen Kniffen - tatsächlich den Erdradius bestimmen kann.

 

Je näher wir unserem Ziel kamen, desto gespannter wurde die Stimmung im Bus. Natürlich war jeder im Bus neugierig auf das Leben in Frankreich, doch zwischen der Vorfreude auf das Wiedersehen mit den «Corres» mischte sich bei fast allen das Gefühl, das man kennt, wenn man etwas Neues und Unbekanntes beginnen soll. Wird die Familie nett sein? Wo wohnt die Familie? Mag ich das Essen? - Kurz nachdem der Bus in St. Brieuc vor der Schule vorfuhr, fielen die ersten bereits ihren «Corres» in die Arme. Das Abenteuer konnte beginnen!

 

Im Gegensatz zu unseren französischen Austauschschülern begannen wir unseren Besuch nicht gleich mit dem Wochenende in den Familien. Wir starteten gleich am ersten Morgen zu unserem spannenden Ausflug in die Umgebung, nach Perros Guirec mit seiner Vogelschutzstation LPO und einem Bootsausflug zu den «Sept Îles ». Um acht Uhr morgens ging es los! Auf der eineinhalbstündigen Fahrt wurden die ersten Erfahrungen in den Gastfamilien ausgetauscht. Jeder hatte etwas zu erzählen!

Die LPO ist eine Vogelschutzstation, die sich besonders für bedrohte Vogelarten einsetzt und wegen der damals fast ausgestorbenen Papageientaucher gegründet wurde. Wir bekamen von einer freundlichen Französin eine Führung, die Herr Markert für uns übersetzte. Wir sahen unter anderem Liveaufnahmen von einer der sieben Inseln, auf der tausende von Basstölpeln leben. Zu dieser Insel machten wir später auch unseren Bootsausflug. Doch zuvor picknickten wir am Strand von Perros Guirec und erkundeten die Gegend.

 

Schließlich gingen wir an Bord des Bootes, auf dem jeder mit einem Fernglas ausgerüstet wurde, um die Vögel noch besser beobachten zu können.

 

Als das stark schaukelnde Boot endlich die Insel erreichte, war der uns gebotene Anblick einfach unglaublich! Von weitem sah man nur eine weiße Insel, doch je näher man kam, desto deutlicher konnte man die Vögel erkennen. Tausende von nistenden, startenden und landenden Vögeln boten ein einmaliges Naturschauspiel!

Mit vielen weiteren Eindrücken fuhren wir nach Saint Brieuc zu unseren Gastfamilien zurück!

 

Malina Reermann 8b

 

Am zweiten Tag führen wir mit dem Bus zum Mont Saint Michel. In der Bucht zeigte uns der Führer anhand von Markus, einem Schüler aus der 8b, den Effekt von Treibsand. Er ließ Markus hüfttief versinken, bevor er ihm verriet, wie man sich aus dem Treibsand befreien kann und erklärte uns, wie gefährlich es ist, ohne sich genau auszukennen, durch die Bucht zu spazieren. - Abends fand in der Schule eine Talentshow statt. Besonders für mich war dieser Abend sehr aufregend, da ich auf die Bühne gebeten wurde, um meinen Weltmeistertitel im Thaiboxen vorzustellen. Backstage lernte ich einige Franzosen kennen, die ebenfalls auf der Bühne ihr Talent, wie z. B. Singen, Tanzen oder Schauspielen veranschaulichten. Als das  Spektakel vorbei war, fiel ich erschöpft, aber glücklich, ins Bett.

Lilli Kießling, 8b

Am Abend verabschiedeten sich alle ins Wochenende mit ihren Gastfamilien. Viele Familien organisierten sportliche Aktivitäten wie Reiten, Fahrrad fahren auf der wunderschönen Blumeninsel «Île de Bréhat» oder Kitesurfen an einem der traumhaften Strände der Bretagne. Manche entdeckten auch bei gemeinsamen Interessen wie Kochen neue Spezialitäten und Rezepte, wie z.B. Karamel mit Meersalz oder bretonische Kräuterbutter. Die meisten von uns kannten die Spezialität Crêpes vom Weihnachtsmarkt, doch die salzige Variante Galette war uns noch nicht bekannt.

Kim Kremer 8b

 

Nach diesem Wochenende gab es natürlich am Montag im Bus auf dem Weg nach Saint-Malo Unmengen zu erzählen. Der ganze Bus bebte vor Erlebnissen! Saint-Malo bot ein weiteres Highlight unseres Aufenthaltes. Im Aquarium gab es eine spannende Führung auf Deutsch von Geraldine, einer Französin, die lange Jahre in Deutschland gelebt hatte. Wir begegneten vielen Meeresbewohnern auf Augenhöhe, was besonders bei den Haien ein ganz besonderes Erlebnis war! Es schien, als flüsterten sie uns wie selbstverständlich ins Ohr!

 

Auch das ehemalige Korsarenstädtchen Saint-Malo wurde uns von Geraldine sehr lebendig vorgestellt. Natürlich hatten wir auch Zeit, die vielen idyllischen Gässchen und Straßen selbst zu erkunden, doch mit Geraldine kamen wir an Orte, die ansonsten Touristen nicht zugänglich waren (z.B. den Pausenhof der Marineakademie mit traumhaftem Blick von der Befestigungsmauer auf das Meer). Man fühlte sich fast in die Zeit der kühnen Korsaren versetzt, die im Auftrag des Königs die Meere besegelten und Beute machten. (Dieser Auftrag des Königs machte übrigens den entscheidenden Unterschied zum Piraten aus!)

 

Die beiden letzten Tage verbrachten wir in unserer mittlerweile zweiten Heimat, Saint Brieuc. Bei einer Stadtrallye erkundeten wir auch hier viele verborgene Ecken. Ein Sportnachmittag mit allen deutschen und französischen «Corres» auf dem Gelände unserer Partnerschule Saint-Charles machte uns allen viel Spaß.

 

Zum Abschluss gab es einen Empfang im Rathaus, bei dem jeder Schüler, der am Austauschprogramm teilgenommen hat, ein T-Shirt von St. Brieuc und bretonische Süßigkeiten geschenkt bekam.

 

Gleich begannen die ersten Schüler Unterschriften aller Teilnehmer von 2015 zu sammeln. Selbst der Schulleiter, Monsieur Le Bellego, verewigte sich auf vielen T-Shirts beim Abschlussessen in der Mensa der Schule St. Charles bei Galettes und Crêpes. Donnerstag früh ging es nach einer ereignisreichen Woche zurück Richtung Aachen! Wieder rollten Abschiedstränen, und die meisten von uns waren sich sicher, dass dies nicht der letzte Besuch in der Bretagne war! Es entstand in dieser kurzen Zeit tatsächlich eine zum Teil tiefe Freundschaft. Durch das viele Zuhören und Sprechen auf Französisch fiel es vielen überhaupt nicht mehr schwer, sich zu verständigen. Jegliche Sprachscheu war vergessen!

Als der Bus wieder in Aachen einrollte, hatte sicherlich jeder eine spannende und wunderbare neue Erfahrung gemacht!

 

Wir danken Herrn Markert und Frau Gatzen, die uns begleiteten und sich stets um uns kümmerten, Madame Herviou und Monsieur Bouvet vor Ort in Saint Brieuc, Mme Alexis für die gelungene Organisation in der Bretagne und Frau Siek für die tolle Organisation in Aachen. Ein besonderer Dank gilt natürlich Herrn Weitz, der diesen wunderbaren Austausch vor 18 Jahren ins Leben rief und dessen Herzensangelegenheit er bis heute ist!

 

Malina Reermann, Lilli Kießling, Kim Kremer (8b), Thurid Gatzen